SAGRADA – Brettspiel-Review mit 5-6 Spieler-Erweiterung

SAGRADA – Brettspiel-Review mit 5-6 Spieler-Erweiterung

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Aktuell: Review zur Sagrada Erweiterung: The Great Facades: Passion & Life

Originalfenster der Sagrada Família in Barcelona. Quelle: Bild von manolofranco – Pixabay

Wir befinden uns in Barcelona. In einem imposanten Bauwerk, das irgendwann mal, sollte es denn fertiggestellt werden, die größte Kirche der Welt sein wird. Zumindest, wenn nicht noch jemand schneller und höher baut. Name der Kirche: Sagrada Família. Oder, die vollständige, katalanische Bezeichnung: Basílica i Temple Expiatori de la Sagrada Família. Bereits der unvollendete Bau gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Barcelonas und zählte in den letzten Jahrzehnten teilweise mehr Besucher als das Museo del Prado oder die Alhambra.

Wir bewegen uns also demütig durch diese beeindruckende Kirche und betrachten die prächtigen, bunt-leuchtenden Fenster, während du dich gerade vermutlich zu recht fragst, warum ich hier einen von spanischen Kirchen und deren Fenster aufrede. Weil es im Spiel genau darum geht…

Details

SAGRADA ist ein Familien-Puzzle-Spiel von Daryl Andrews und Adrian Adamescu für bis zu 4 Personen. Im Original ist es bei Floodgate Games und letztes Jahr auf Deutsch bei Pegasus erscheinen. Als Kunsthandwerker sollen wir ein neues Kirchenfenster für die Sagrada Família aus prächtigem Buntglas entwerfen. Dazu setzen wir bunte Würfel in Fensterschablonen ein, nutzen Werkzeuge, von denen zum Teil noch nie jemand etwas gehört hat und müssen uns an strikte Vorgaben halten. Dabei gilt es, ein äußerst imposantes und prunkvolles Fenster zu entwerfen – denn nur das beste Fenster, wird zum Schluss auch eingesetzt. Unterdessen ist auch eine Erweiterung erhältlich, wodurch Sagrada mit bis zu 6 Personen gespielt werden kann und weitere Features bietet. Auf diese werde ich im Anschluss ebenfalls noch eingehen.


Spielmaterial & Ersteindruck

Sagrada Spielmaterial

Ob man jetzt genau weiß, dass Sagrada seinem Vorbild in Barcelona nachempfunden ist, oder nicht, spielt eigentlich gar keine Rolle. Denn allein die Schachtel macht mit bunten Mosaik- und Scherbenmustern sofort klar: Hier geht es um Kirchenfenster. In Kombination mit den farbigen Würfeln auf allen Seiten, hat man hier recht schnell ein erstes Bild von dem Spiel, das sich darin verbirgt. Die Box enthält 4 Kirchenfenster-Spielertableaus mit Aussparungen für die bunten Würfel, was zusammen später dein zusammengepuzzeltes Kirchenfenster ergeben wird. Dazu gibt es eine handvoll transparenter Steinchen, die man sonst eher aus der Deko-Abteilung diverser Einrichtungshäuser kennt und einen Stapel verschiedener Karten, welche die unterschiedlichen Werkzeuge und Vorgaben für Fenster repräsentieren. Nicht zu vergessen: Ein Säckchen aus schwarzem Stoff, aus dem im Spielverlauf die Würfel gezogen werden. Der Sack ist schön anzufassen. Erstes Lob, denn die eigenen Hände befinden sich im Spielverlauf recht häufig darin. Und hätte man hier ein unsanfteres Material gewählt, wäre das Wühlen nach Würfeln auf Dauer wohl unangenehm.


SO WIRD SAGRADA GESPIELT

Sagrada ist „A Game of Dice Drafting & Window Crafting“. Da sich das Ganze nur unschön und weniger poetisch übersetzen lässt, ist dieser Untertitel, im Gegensatz zur englischen Schachtel, auf der Deutschen gar nicht erst zu finden. Heißt aber so viel wie: Du ziehst Würfel und baust ein Fenster. Das passiert indem die Spieler nacheinander eine vorgegebene Anzahl, zufälliger Würfel aus dem Säckchen ziehen, diese würfeln und anschließend wiederum aus diesem Würfelpool – dem „Fundus“ – Würfel für ihr Fenster auswählen. Die gezogenen Würfel werden dann unter Beachtung vorgegebener Muster in das Kirchenfenster eingesetzt. Nach 10 Runden ist das Spiel zu Ende und du hast im besten Fall ein vollständiges Fenster aus 20 Würfeln gebaut.

SPIELAUFBAU

Sagrada Spielaufbau

Jeder Spieler erhält ein Kirchenfenster in einer Farbe nach Wahl. Die Farben können dabei rein nach Vorliebe gewählt werden und haben nichts mit der Spielmechanik zu tun. Zudem gibt es für jeden Spieler eine zufällige, geheime Auftragskarte und zwei Musterkarten. Anschließend werden in der Tischmitte der Rundenanzeiger sowie darunter jeweils 3 zufällige Werkzeugkarten und Karten für öffentliche Aufträge gelegt.

1.

GEHEIME AUFTRAGSKARTEN

Die geheime Auftragskarte zeigt eine Würfelfarbe an, die du verdeckt halten und nach Möglichkeit sammeln solltest. Denn für diese bekommst du bei der Wertung Punkte in Höhe der gesamten Augenzahl in deinem Fenster.

2.

MUSTERKARTEN

Die Musterkarten stellen die Vorgaben für dein Kirchenfenster dar. Auf den farbigen Feldern müssen dabei Würfel in selber Farbe platziert werden, während die Felder mit Augen logischerweise die Augenzahl vorgibt (Farbe ist dabei egal). In allen Fällen dürfen aber nie Würfel derselben Farbe oder Zahl über- oder nebeneinander eingefügt werden. Die Karten sind beidseitig bedruckt und zeigen in Form von kleinen Steinchen zum einen den Schwierigkeitsgrad von 3-6 und zum anderen die Anzahl der Gunststeine die Spieler für diese Karte zum Start bekommen an. Hier sucht sich jeder Spieler nun eine Karte aus und schiebt sie unten in sein Fenster-Tableau. Wenn du aufgepasst hast, wählst du hier am besten ein Muster, das sich gut mit deiner geheimen Farbe kombinieren lässt.

3.

WERKZEUGKARTEN

Die Werkzeugkarten sind unterschiedliche Hilfsmittel, mit denen du dein Fenster besser vorausplanen oder nachträglich bearbeiten kannst. Beispielsweise der Bleiaufreiber, mit dem du zwei bereits gesetzte Würfel in deinem Fenster umsetzen kannst oder die Biegezange, mit der du einen Würfel vor dem einsetzen noch um 1 erhöhen oder vermindern darfst. Mit einigen Werkzeugen kannst du hier sogar die Vorgaben deiner Musterkarte beim umsetzen ignorieren.

4.

ÖFFENTLICHE AUFTRÄGE

Die öffentlichen Auftragskarten liefern Kombinationen, für die es zur Wertung Bonuspunkte gibt. Zum Beispiel für horizontale oder vertikale Würfelreihen in unterschiedlichen Farben oder Augenzahlen. Neben deiner geheimen Farbe demnach etwas, worauf du beim Bau deines Fensters achten solltest.

Jetzt noch Würfel entsprechend der Spieleranzahl in den Beutel und ab die Post. Startspieler ist, wer zuletzt in Barcelona war.

Spielablauf

Eine Runde Sagrada. Die Spieler nehmen sich erst im Uhrzeigersinn, beginnend mit dem Startspieler einen Würfel. Hat der letzte Spieler gezogen, fängt dieser an und es geht umgekehrt weiter.

Im regulären Spiel für 2-4 Spieler zieht der Startspieler doppelt so viele Würfel wie Spieler plus 1 blind aus dem Sack und würfelt sie. Bei 2 Spielern also 5, bei 3 Spielern 7 usw. Auf diese Weise kann sich jeder Spieler pro Runde 2 Würfel aus dem Fundus nehmen und der letzte, übriggebliebene Würfel landet auf dem Rundenanzeiger. Beginnend mit dem Startspieler nehmen sich also alle Spieler nacheinander einen Würfel ihrer Wahl und setzen diesen ins Fenster ein. Gibt es keinen passenden Würfel für dein Fenster, musst du passen und hast später eine Lücke.

Sagrada Würfel einsetzen

WÜRFEL EINSETZEN

Wie oben erwähnt, dürfen Würfel nicht mit derselben Farbe oder Augenzahl, waagerecht oder senkrecht benachbart platziert werden. Du solltest hier also darauf achten, dass du jetzt nicht unbedingt einen roten Würfel neben ein rotes Feld setzt, da du hier dann keinen roten Würfel mehr platzieren darfst. Bis auf diesen Kniff und die Vorgaben deiner Musterkarte, gibt es noch die Regel, dass mit dem ersten Würfel am Rand oder in der Ecke des Fensters begonnen werden muss. Von da aus, geht es dann horizontal, vertikal oder diagonal weiter.

Wenn du an der Reihe bist, darfst du außerdem jetzt auch den Effekt einer Werkzeugkarte nutzen. Dabei darfst du selbst entscheiden, ob du einen Effekt vor oder nach dem Nehmen eines Würfels einsetzt.

Sagrada Werkzeugkarte mit Gunststeinen

WERKZEUGKARTEN NUTZEN

Eine Werkzeugkarte nutzt du, indem du eine Karte wählst und die nötigen Gunststeine dafür drauflegst. Bist du der Erste, der eine Werkzeugkarte nutzt, kostet dich der Einsatz einen Stein. Liegen bereits Steine darauf, kostet dich die Nutzung zwei Gunststeine. Die Kosten der Effekte sind also bei der ersten Nutzung günstiger. Ein System, das ich für sehr gelungen halte. Denn während die Effekte in den ersten Runden erfahrungsgemäß eher genutzt werden, weil es sich gerade anbietet, können sie zum Schluss die entscheidenden Punkte für den Sieg bringen. Dementsprechend ist es meist automatisch so, dass die Werkzeugkarten in den wichtigen, letzten Runden teurer sind als noch in den ersten Runden. Dabei solltest du allerdings immer darauf achten, dass sich der Einsatz wirklich lohnt – denn übrig gebliebene Gunststeine geben Siegpunkte.

Nach 10 absolvierten Runden gewinnt schließlich der Spieler mit den meisten Prestigepunkten. Diese gibt es für die Summe aller Augenzahlen in der Farbe der geheimen Auftragskarte, dem Erfüllen der öffentlichen Auftragskarten, sowie noch vorhandene Gunststeine. Freie Felder im Fenster werden mit einem Minuspunkt bestraft.


FAZIT ZU SAGRADA

SAGRADA war zum Release ein Spiel, das allein durch das farbenprächtige, auffällige, Design meine Aufmerksamkeit gewinnen konnte. Gerade die vielen bunten Würfel haben mich irgendwie gleich abgeholt. Und das, obwohl ich normalerweise auf weniger satte Farben bzw. schlichtes Design und schöne Illustrationen stehe. In seinem Kern, ist Sagrada ein recht simples Familienspiel, schafft es aber durch die vielen Möglichkeiten Punkte zu ergattern und verschiedenen Schwierigkeitsgraden meiner Meinung nach, sich perfekt zwischen Casual und Core Gamer anzusiedeln.

Für Gelegenheitsspieler reicht es schon, einfach drauf los zu bauen um Spaß zu haben. Wer aber ehrgeizig so viele Vorgaben wie möglich erfüllen möchte und gleichzeitig die eigene Farbe so prominent es geht platzieren will, kann mit geeigneten Werkzeugkarten und etwas Würfelglück unerwartet taktisch vorgehen. Selbst wenn man später merkt, dass man einen Würfel unvorteilhaft platziert hat, endet das selten in Frust ­– hier fasst man sich dann eher an den Kopf und fragt sich, wie man das nur übersehen konnte.

Die Sache mit Sagrada und Azul

Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen, den, ich sag mal „direkten Konkurrenten“ Azul, insbesondere Azul – die Buntglasfenster von Sintra, in diesem Review gar nicht zu erwähnen. Zum einen, weil es hier eben um Sagrada gehen soll und ich keine entweder-oder-Entscheidung provozieren möchte, und zum anderen, weil ich mir vorstellen kann, dass nicht jeder, der hier landet automatisch auch Azul kennt. Ferner halte ich es gar nicht für notwendig, die beiden Spiele ständig miteinander zu vergleichen, da sie zwar ähnlich in Thematik und Spielmechanik sind, aber dennoch verschiedenes Vorgehen für den Erfolg im jeweiligen Spiel voraussetzen.

Dennoch möchte ich, für alle die Azul doch kennen und vor allem besitzen und mögen, die eigentlich einzige relevante Frage klären: Lohnt sich Sagrada, wenn ich bereits Azul besitze? Ein bedingtes „Ja!“. Feierst du Azul und stehst auf diese Art von Spielen, bist offen für Alternativen und niemand in deiner Spielerunde besitzt Sagrada, dann hast du hiermit einen schönen Schatz für deine Sammlung gefunden. Ist eher das Gegenteil der Fall, du neigst dazu immer wieder Spiele miteinander zu vergleichen und legst lieber das auf den Tisch, was du kennst, dann würde ich lieber dazu raten, Sagrada nach Möglichkeit vorher zu testen.

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